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Veröffentlicht am 13.07.2015 von Nemesis

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Schock – die Band über „Glamour“

Wie einige wahrscheinlich beim Review zu Schocks „Glamour“ mitbekommen haben, war ich vom aktuellen Album der Band absolut begeistert. Daran hat sich bis heute nix geändert und es würde mich sehr wundern, wenn gerade Fans düsterer und ernsterer Klänge nicht voll auf dieses Scheibchen abfahren würden. Sänger und Bandkopf Michael Schock sieht die Meinungen der Presse als das, was sie sind: Sekundär. Egal, wie fähig man ist, Buchstaben in den Rechner zu kloppen, unterm Strich sind es eben doch die Fans, die eine Band unterstützen oder nicht und ihnen den – verdienten – Status zukommen lassen.

Intensität pur

„Ohne die Fans würde gar nichts gehen, eine Band hat ohne sie kaum Überlebenschancen. Was die bisherigen Reaktionen der Fans und meine Erfahrungen angeht, fühle ich mich aber wirklich in meiner Arbeit bestätigt. Für mich war es wichtig, nach „Erwacht“ eine neue Ära anzufangen und mit diesem Punkt abzuschließen. Es war nötig, mich neu zu entdecken, meinen Kopf zu ordnen und den Themenbereich des ersten Albums außen vor zulassen. Ich brauchte Platz für neue Gedanken und Inspirationen, daher mußte ich meinen Kopf frei machen. Wir haben komplett neu begonnen Songs zu schreiben, um uns in jeder Hinsicht neuen Einflüssen hingeben zu können.“ Und die haben es nicht nur musikalisch in sich, die Texte dürften einem beizeiten schon durch Mark und Bein gehen und einem in Bezug auf einige Dinge die Augen und das Herz öffnen. Doch dazu später. Daß man sich erstmal von alten Geistern, ob es nun gute oder schlechte waren/ sind, befreien muß, um sich einem neuen Abschnitt widmen zu können, ist nicht nur im normalen Leben so, für einen Künstler ist es ebenso unerläßlich.

Der Weg ist das Ziel

„Grönemeyer hat es mal treffend formuliert: ‚Stillstand ist der Tod’. Man bekommt durch jede CD, durch jedes Konzert erneut die Chance, etwas dazuzulernen, neue Erfahrungen zu machen, die man nutzen kann. Es ist die Ansammlung all dieser Erfahrungen, die eine Band prägen. Insofern ist „Glamour“ natürlich ein weitere wichtiger Schritt in der Laufbahn der Band und auch für unsere natürliche Entwicklung. Jedes Album, jedes Konzert gibt dir die Möglichkeit neues zu lernen, neue Inspirationen zu sammeln und dich weiter zu entwickeln. Diese ganzen Erfahrungen prägen eine Band.“ Vergleiche bleiben bei einer Combo, die sich noch nicht soo lange im Musikzirkus tummelt, natürlich nicht aus, die interessieren den Sänger allerdings herzlich wenig. Zumal Schock mehr zu bieten haben, als deutsche Texte und metal-lastigen Düstersound.

Wenn´s denn sein muß

„Vergleiche sind eben ein notwendiges Übel, da auch diejenigen, die von einer Band noch keine Ahnung haben, wissen sollen, worum es musikalisch geht, ob es eventuell ihr Fahrwasser ist. Im Grunde ist aber nur wichtig, daß so viele Menschen wie möglich von uns hören. Ob das nun mit Vergleichen geschieht oder nicht, ist nicht so wichtig.“ Warum sollte man sich über so was auch wirklich ärgern. Werbung ist Werbung.

Knüppelharte Texte

Wie bereits angesprochen sind vor allem die Texte sehr beeindruckend bei diesem Silberling – und auch die Erfahrungen, die Michael bisher durch die Reaktionen auf die Lyrics gemacht hat, betitelt er mit jenem Wort: Beeindruckend. „Meine Erwartungshaltungen in dieser Richtung waren nicht sehr hoch, die Texte sind für mich eine sehr persönliche und emotionale Sache. So steht natürlich immer die Frage im Raum, ob andere, also Hörer, diese genauso empfinden, wie ich es tue. Ob sie ebenso ankommen. Ich habe mich auch aus diesem Grund von Meinungen anderer sehr wenig beeinflussen lassen, doch die Gefühle, die ich mitbekommen habe und die die Texte bei manchen Menschen auslösten, haben mich bestätigt. Die Texte sind sicher allein meine Art, mit Gefühlen und Gedanken umzugehen und sie zu interpretieren und die Wirkung ist auf jeden Menschen anders. Das kann man wohl auch ein wenig mit Rauschmitteln vergleichen – die wirken auch auf jeden anders. Ich habe Frauen weinen sehen, als sie das erste Mal „Schnee“ hörten. Für mich war das eine gigantische Erfahrung und hat mir auch gezeigt, daß es gar nicht so schlecht sein kann, was ich so von mir gebe. Thematisch gesehen ist „Weiß wie Schnee“ auch ein sehr wichtiger Song für mich, da mich die Situation, die in diesem Stück beschrieben wird, sehr bewegt hat in den letzten beiden Jahren und auch viele Nerven gekostet hat. Ansonsten ist „Euer Krieg“ ein Stück, das mir wirklich wichtig ist.“

Natürlich würde es auch schneller gehen, viele Leute zu erreichen als auf die Art und Wiese, die Schock gewählt haben. Qualität braucht eben manchmal Zeit, um sich auf breiter Ebene durchzusetzen. „Am schnellsten würde es wohl gehen, wenn wir einen auf ‚Marionettenpseudopopsternchen’ machen würden. Irgendwelche dummen Skandale, die die einschlägige Presse an willige, nicht zu tiefgründige Endverbraucher verkauft. Bis jetzt schrauben wir leider noch vergeblich an der ultimativen Grand Prix fähigen Hitschnulze a la „für Dich“ aber da wir a) wahrscheinlich viel zu wenige Brüste in unserer Band haben und b) das eh nicht unsere Baustelle ist, werden wir uns auf das beschränken was wir können und wollen. Geile Songs schreiben und viele überzeugende Konzerte spielen.“ Zynismus, Sarkasmus und Kollegen sind echt eine schöne Sache, die das Leben immer wieder farbenreich gestakten, hehe. Und auch wenn es wohl mit den Grand Prix nicht wirklich jemals klappen wird, werkeln Schock unermüdlich am weiteren Werdegang ihrer Karriere. So bereitet die Band gerade eine Tour für den anstehenden Herbst vor.

„Scheiß auf heile Welt, hoch leben die Fakten“

„Außerdem halten wir natürlich auch die Augen nach entsprechenden Support-Shows offen. Jede Möglichkeit, das Album zu promoten und die Band bekannter zu machen, wird definitiv genutzt.“ Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Michael auch im sozialen Bereich sehr engagiert – wohl eine sehr gute Basis, um bei solchen Texten nicht nur schöne Worte zu präsentieren, sondern auch zu wissen und ein Verständnis dafür zu haben, worüber man eigentlich schreibt. „Der Grund, weshalb ich mich bei den Lyrics solchen Themen zuwende, ist die Tatsache, daß auch viele Menschen die Nase voll von diesen Heil-Welt-Texten haben. Es gibt schon Tausende die diesen Rosarote-Brille-scheiß rüberbringen. Diese vielbesungene Traumwelt habe ich aber leider noch nicht gefunden, darauf schließe ich, daß ich in einer Welt lebe, in der es noch einen Haufen Probleme gibt, die einfach hinaus geschrien werden müssen.

Die Gesellschaft als Gefängnis?

Eines der größten Probleme liegt in den Regeln, die unsere Gesellschaft vorschreibt. Es ist kaum mehr Raum für Individualität, bereits als kleines Kind bekommt man mit, wie man sich anziehen soll, wie das Leben auszusehen hat, wie man sein Leben leben soll, um nicht einer dieser allseits verachteten arbeitsfaulen Sozialhilfeempfänger  zu werden. Von vornherein wird das Leben und die Welt in Schichten eingeteilt und viele Menschen verzweifeln zu guter Letzt daran. Natürlich versuchen einige, aus diesem System auszubrechen, was ganz klar eine Menge Unannehmlichkeiten mit sich bringt, wieder andere belügen sich selbst und machen 365 Tage im Jahr einen Fasching der besonderen Art, Nach außen hin eine Maske tragen, mit der sie perfekt ins System passen, mit der man das eine oder andere Desaster gekonnt verbirgt. Diese verlogene Maske ist das zentrale Problem, denn die reale Welt ist nun mal keine Show.“ Ein Punkt, den ohne Frage viele noch erst verstehen müssen, bevor man von einem eigenen Leben sprechen kann. Denn diese Selbständigkeit bedeutet nicht, nicht mehr von dem Geld der Eltern abhängig zu sein, einen tollen Posten im Job zu haben oder sich aufführen zu können wie der Rotz am Ärmel. Doch wie sagte Churchill so schön: Freiheit bedeutet nicht, daß man tun kann, was man will. Freiheit bedeutet, nicht tun zu müssen, was andere wollen.

photocredit: SChock beim WGT 2009 |Quelle = www.schockline.de |Urheber = Schock GbR

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