Interviews

Veröffentlicht am 02.11.2015 von Nemesis

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Evergrey über Solitude

An der Schwelle

Solitude + Dominance + Tragedy, so der Titel des zweiten Streiches der Schweden um Sänger und Kopf der Band, Tom S. Englund. Eigentlich ziemlich unerwartet wurde der Silberling seinerzeit in der einschlägigen Presse rauf und runter gefeiert. Dies auch völlig zu Recht, hatten Evergrey doch damit ein wahres Meisterwerk in Sachen progressiv angehauchten, kraftvollen Düster Metal und Gothic-Mix gemacht.

Manche bezeichneten den Sound der Formation auch als Prog Power Metal, nur mir persönlich (und wie ich festgestellt habe, nicht nur mir) kommt dabei der melancholisch-verzweifelte Aspekt nicht so zum Tragen, wie ihn der Sound von Evergrey nun einmal beinhaltet. Neben dem Material ist auch das Coverartwork in Verbindung mit dem Titel der Scheibe äußerst passend, prangen darauf doch drei Gesichter, die den Titel (zu deutsch: Einsamkeit, Dominanz, Tragödie) sehr gut mimisch rüberbringen.

Aussagekräftige Gestaltung

„Genau das war auch unsere Absicht“, erläuterte Tom, gerade frisch Papi geworden. Hatte ich nach einigen Interviews mit ihm, die ich gelesen hatte, den Eindruck, der Gute wäre entgegen der fabrizierten Mucke ein recht fröhlicher und etwas aufgedrehter Typ, bot sich mir bei diesem Inti ein etwas anderes Bild. Sehr ruhig, eher introvertiert und doch alles andere als depressiv kam Tom über den Hörer.

„Das Bild mit den drei gezeichneten Masken sollte exakt diese drei Aspekte widerspiegeln. Den Titel haben wir aus dem Grund gewählt, da die drei Worte auch drei Dinge beschreiben, die aus menschlichen Charaktereigenschaften entstehen oder zu psychischen Zuständen führen. Der Titel steht eigentlich für Dinge, die im Leben eines Menschen nicht unbedingt förderlich sind.“ Sehr treffend gewählt ist auch der Bandname, vor allem zeigt er, dass ich mit meiner Meinung über den eher schwermütigen Einschlag der Band gar nicht so Unrecht hatte – spricht ein Bandname zumeist deutlichere Worte als das Info der Plattenfirma.

Tom stimmt da auch erfreulicherweise zu:

„Ich sehe unsere Wurzeln nicht unbedingt im Gothic-Bereich, also eigentlich eher nicht.“

Doch es stimmt schon, dass unser Sound sehr düster und manchmal auch traurig klingt. Doch ich denke, dass die kraftvollen Elemente das wieder in ein Gleichgewicht bringen, dass unsere Songs doch sehr interessant macht. Nun, das Progressive, das manche bei unserem Material zu erkennen glauben, sehe ich nicht so stark, ich denke, dieser Eindruck resultiert mehr aus abwechslungsreichem Songwriting.“

Ein kleiner Diktator?

Für welches sich Tom nach wie vor (aktuellstes Beispiel: Hymns For The Broken) fast im Alleingang verantwortlich zeigt, nimmt sich der Sänger doch auch den Keyboardparts und dem Gitarrengedümpel an. „Es ist aber nicht so, dass ich ein kleiner Diktator wäre. Naja, vielleicht ein bisschen“, lacht Tom verschmitzt. „Die anderen Mitglieder der Band kennen mich nun schon lange genug und wissen, glaub` ich, auch, wie sie am besten mit mir umgehen können und wie sie mich am problemlosesten halten (bei Wasser und Brot, oder was?! Anm.d.Red.). Ich habe meisten die ersten Ideen zu einem Song, die eigentlich relativ schnell konkrete Formen annehmen und diese werden dann in Gemeinsamkeit ausgearbeitet.“

Ein kurzer Label-Exkurs

Also auch nicht recht viel anders, als bei anderen Bands, doch ist es schon erstaunlich, wieviel kreatives Potential in einem alleine stecken kann. Wobei das größte Problem bei dieser Sache sein dürfte, dass man sich, wenn man sich mehrerer Instrumente annimmt, auch schon mal verheddern kann. Tom scheint dies ganz gut im Griff zu haben und mit dem Schweizer Label Hall Of Sermon hatte die Band auch einen sehr aktiven Partner gefunden, wobei man nun zu AFM gewechselt. Das deutsche Label wurde seinerzeit von Squealer-Sänger Andreas „Henner“ Aliendörfer (leider bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommen) gegründet, etablierte sich im Laufe der Jahre zuerst mit Neu-Entdeckungen (u.a Edguy) und heute… sammeln sich dort die Großen.

„Tja, die Verantwortlichen waren von unserem Material total angetan und was sie damals geleistet haben, war echt klasse. Hall Of Sermon haben zum Beispiel den zuerst geplanten Release der Scheibe von November auf das neue Jahr verschoben, weil sie nicht das Risiko eingehen wollten, dass unsere Scheibe in dem ganzen Weihnachtstrubel untergeht. Sowas kann ziemlich schnell passieren. Sicher kann man sagen, es sei der Job einer Plattenfirma, mitzudenken, doch geschieht das eben leider nicht immer. Ich kann nur sagen, dass es total gut für das Album lief. Und eines möchte ich unbedingt loswerden: Wer das Album hört und ihm gefällt es, soll es sich auf jeden Fall besorgen. Egal wie!!! Meinetwegen auch stehlen…..keine gute Idee?? Okay, dann doch lieber kaufen. Aber Leute, holt euch das Teil!!!“ Ihr habt gelesen, was ihr tun sollt. Und as danach so folgte, könnt ihr auch gleich eintüten.

Und hier noch Tom´s damalige Lieblingssongs:

1) Queensryche: “Suite Sister Mary”
2) Iron Maiden: “The Trooper”
Iron Maiden: “Hallowed Be Thy Name”
4) Dream Theater: “Space Die West”
5) PINK FLOYD: ALLES, ABER SPEZIELL DAS ALBUM RELAPSE OF REASON
(Tom bestand darauf, das alles extremst groß zu schreiben)

photocredit: By Cecil; with permission of Nosturi-organiser Elmu ry (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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