Interviews

Veröffentlicht am 30.09.2015 von Nemesis

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Evereve

Evereve über E-Mania – Psychologie aus dem Bauch

Die zuständige Promoterin hatte mich bereits vorgewarnt, dass der Termin sich eventuell um ein paar Minuten nach hinten verschieben könnte, da Evereve´s Michael direkt vor dem Interview-Date ein Interview mit einer rechten Plaudertasche zu führen hatte. Umso mehr verwunderte es, dass das Inti dann doch pünktlich über die Bühne ging, worauf Michael auch mächtig stolz war. „Mit der vorhergehenden Scheibe hatten so manche ihre Probleme, einige warfen uns vor, zu sehr mit dem Strom zu schwimmen, zu kommerziell zu sein. Zumindest ging es den Knüpplern unter unseren Fans so.

Gothicler aufgepasst

Die Platte E-Mania finde ich persönlich schon sehr hart, aber andererseits auch emotional, intensiv und authentisch. Auf unserer ersten Scheibe war auch noch mehr Geschrei, harte Gitarren – einfach hart, schnell und mit ausufernden Songs. Manche meinen, Drei-Minuten-Songs seien Ausverkauf. Wir hatten aber selbst den Anspruch, unsere Aussagen kürzer auf den Punkt zu bringen. Dennoch mag ich als Hörer lange Songs nach wie vor sehr gern. Wir wollten bei unserem Material lediglich schneller auf die Essenz kommen. Eine gute Geschichte ist in drei Minuten schwieriger zu erzählen als mit Ausschmückungen an allen Ecken und Enden.“

Spannung halten

Was man gut nachvollziehen kann, wenn es um die Musik geht, ist an sich beim normalen Geschichten-Erzählen oder bei Filmen einfacher: Eine einfache Aussage, den Kern einer Story ewig in die Länge zu ziehen, kann doch oft sehr ermüdend sein. Auf kurze Zeit lässt sich Spannung einfach leichte halten als auf längere Sicht. Im musikalischen Bereich allerdings auch soundtechnisch alle Facetten unterzubringen, kann ziemlich knifflig werden. „Ich finde einen kurzen Schlag ins Gesicht einfach besser als ein langes Kratzen am Rücken“, bringt Michael seine Meinung auf den Punkt.

Düsterer Seelenmüll

Wie er erzählt, enthalten auch alle Songs eine Menge seelischen Mülls. Der fast fertig studierte Psychologe scheint seine Richtung der Emotionsbewältigung also recht gut in der Musik zu finden. „Auf dieser Scheibe sind einige Nummern, die mich immer wieder auf Neue erschaudern lassen. Die Songs, die wir für eine Scheibe auswählen, sind auch diejenigen, die uns selbst von der ersten bis zur letzten Sekunde unter die Haut gehen, die wir spüren können. Fast alle Texte der Scheibe stammen von mir, und als Schreiber hat man zu den Aussagen einfach ein engeres Verhältnis.

Kunst vs Kopf

Wir haben allerdings alle zusammen über die Themen der Lyrics gesprochen, damit sich auch jeder in das Material einfühlen kann. Musik ist keine Kopfsache, sondern eine Frage des Gefühls. Labels gehen an Musik immer mit dem Verstand heran, es ist eben Business. Kopf und Kunst passen aber einfach nicht so ganz zusammen. Ich finde, man kann Musik wesentlich besser verstehen, wenn man versucht, sie mit dem Gefühl zu erfassen, anstatt Kategorien und Schubladen zu bedienen. Kunst lässt sich nicht immer eindeutig interpretieren, sie kann weder richtig noch falsch sein. Alles, was man an der Kunst wirklich beurteilen kann, ist die Qualität der Ausführung. Deswegen sollte man aber nichts schön reden, was einem doch nicht gefällt.“

Viel Kraft in die Platte gelegt

Viel zu Kniffeln könnten einige Fans anhand der Schreibweise der Titel und der Symbole etc. haben. „Wie bereits gesagt, das Material ist sehr vielschichtig, allerdings ohne eine feste Message. Die Philosophien der ersten beiden Scheiben sind einfach persönlicheren Dingen gewichen. Diese Platte hat viel Kraft gefordert, wir haben tief in uns hinein gehorcht. Man holt in solchen Situationen das Tiefste aus sich heraus, die Dämonen, die jeder im Keller. Das hat sicher auch etwas mit den Urängsten der Menschen zu tun. Man sollte sich schon auch mit sich selbst beschäftigen.“ Viele wollen aber genau das nicht tun.

Dämon Tod

„Ich versuche mich dem zu stellen. Einfach nur Deckel drauf, geht nicht lange gut. Die Menschheit hat Waffen en masse, aber an die eigene Psyche kommen die meisten nicht heran. Obwohl genau das der Punkt ist, der einen beherrscht. Wenn man jemanden dazu anregt, eine derartige Selbstreinigung anzustreben, ist das sicher nicht verkehrt. Viele verleugnen ihre Macken vor sich selbst, weil sie sich einfach von der heutigen Perfektionsgesellschaft zu sehr beeindrucken lassen. Mein größter Dämon ist die Thematik um den Tod. Die Frage, woher wir kommen.

Ich habe Angst vor dem Tod, bei solchen Überlegungen kommt auch der Gedanke ins Spiel, man könne etwas verpassen. Das ist kein interpretierbarer Aspekt der Texte, sondern schlicht ein egoistischer.“ Ist es nun ganz falsch, wenn man den Eindruck – eben hier am Beispiel eines Psychologie-Studenten – dass sich Wissenschaft und ein gewisser Urglaube im Weg stehen können? „Ja, das kann durchaus der Fall sein. Doch ist unsere Musik höchstens unterschwellig von dieser Wissenschaft beeinflusst. Und ganz ehrlich: Was dieses Urvertrauen betrifft: Hier kenne ich mein Verhältnis dazu noch gar nicht. Ich wünsche mir manchmal sehr, mich in diesen Glauben fallen lassen zu können.“

photocredit: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:EverEve-Logo.svg

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