Interviews

Veröffentlicht am 17.11.2015 von Nemesis

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Crematory

Kein Rumgeheule für die Massen

Als die erste Best-Of-Scheibe der deutschen Gothicler auf den Markt kam, staunten die Fans und die Presse nicht schlecht, hob sie sich in ihrer Art und Aufmachung schon sehr von anderen Veröffentlichungen dieser Richtung ab. Mit dem darauf folgenden Scheibchen Believe konnten die Jungs und das Mädel auch nur positive Resonanzen ernten und der Siegeszug der Band sollte noch wesentlich weitere Sphären erreichen.

Den Grund hierfür sah Bassist Harald schlicht darin…. „dass wir einfach nicht diesen weinerlichen und stellenweise langweiligen Gothic an die Leute bringen wollen. Bei uns kommt der Begriff Metal auch noch zum Tragen. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb immer mehr Fans aus dem ‚normalen‘ Heavy-Bereich auch einiges mit Crematory anfangen können.“ Guckte man sich in den diversen Tanztempeln so um, stellte man fest, dass selbst an normalen Rocktagen (nicht Metal!!) immer öfter der eine oder andere Song der Band zu hören war.

Mehr Entwicklungsspielraum

Verantwortlich macht Harald dafür aber auch die Tatsache, dass nicht alle Songs mit Felix Growling allein gesanglich versetzt sind, sondern mittlerweile auch cleane Vocals ihren Weg zu Crematory gefunden haben. „Bei dieser Scheibe hatte auch erstmals unser Gitarrist Matze ein paar Vocals beigesteuert. Die Kombination nimmt eben ab und an die Härte, was in meinen Augen durchaus ein Grund ist, weshalb auch die nicht ganz so harten Fans mit unserem Sound etwas anfangen können. Wäre ausschließlich Felix` Gesang zu hören, würde die Sache wohl ein bisschen anders aussehen.

Wir wollten auch immer da hin, mehr Leute zu erreichen.“ Von Scheibe zu Scheibe ist bei Crematory eine Steigerung auszumachen, und dieses Mal sind die Songs um einiges wuchtiger, voller und Keyboarderin Katrin macht ihre Position mehr als deutlich. „Im Keyboard-Bereich wurde mit einigen Samples gearbeitet, was das Ganze noch kompakter zur Geltung bringt.

Die Gitarren bringen ebenfalls eine Menge mit ein, aber wir benutzen nicht wie andere Bands das Keyboard als Hintergrund-Instrument, sondern eher als zweite Gitarre.

Dieses Instrument bietet unwahrscheinlich viele Möglichkeiten und Facetten und kann sehr vielschichtig sein.

Mehr als einfach nur Best-of

Teils ist es auch so, dass sich Keyboard und Gitarre in den Melody-Lines total ergänzen, und das eine Instrument in die Line des anderen mit einsteigt.“ Auch zur Best-of hatte Harald noch seinen Senf abzugeben. Durch die ungewöhnliche Aufmachung und der Tatsache, dass die Fans hier wirklich was für ihre Mäuse bekamen, wurde die Band nicht nur in einem Magazin lobend herausgestellt. „Unser damaliges Label wollte einfach zum Abschluss eine ganz normale Best-of, was uns aber zu wenig war.
Diese Scheibe sollte sich abheben, es hat uns nicht so begeistert, nur alte Songs auf den Output zu packen. Dadurch kamen wir auch auf die Idee, mit einigen DJs zusammenzuarbeiten, die einige unserer Tracks vermixt haben. Manche Fans waren da nicht gar so angetan, aber die meisten Reaktionen waren sehr gut. Der eine oder andere wird sich wohl gedacht haben: ‚Oh Gott, was machen die denn jetzt?‘. Allerdings hatten wir von vorn herein klar gemacht, dass das nur eine einmalige Sache ist und wir nicht vorhaben, nun als Dance-Act oder so anzutraben.

Wir haben uns das, was wir gesagt haben, auch bisher immer gehalten und wir stehen auch nach wie vor zu dieser Sache. Außerdem ist auch etwas sehr Positives dabei herum gekommen: Durch die Remixes wurden wir auch auf einmal in den Wave-Discos gespielt, und haben einige neue Fans aus dieser Szene dazu gewonnen, die sich mittlerweile auch auf unseren Konzerten tummeln.

Wir waren dieser Szene auch nie abgeneigt, hatten dieses Ergebnis aber nicht beabsichtigt. Ich persönlich finde es total gut, dass sich die Wave- und die Metal-Szene langsam einander annähern.“

Wer wirklich liebt…

Naja, nimmt man es genau und wirft beide Stilarten in einen Topf, kommt unweigerlich Gothic Metal dabei heraus. Man muss es den beiden Fan-Lagern eben nur manchmal aufzeigen, damit sie anfangen, auch mal über ihren Tellerrand zu gucken. „Wer Musik wirklich mag, bleibt nicht sein ganzes Leben so borniert und verschließt sich nicht anderen Stilarten. Metal-Fans zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur ein Jahr an ihrer Musik festhalten. Außer, es handelt sich wirklich nur um Mitläufer.

Manche unter ihnen sollten vielleicht noch ein wenig offener werden, wobei es viele eh sind. Dennoch bleiben sie ihrem Sound treu und behalten sich ihr Standbein, auch wenn sie mit anderer Mucke konfrontiert werden oder sich mit ihr auseinander setzen. Für einige war es früher hip, Metal zu hören. Manche wollten irgendwie schocken, andere haben sich diese Mucke reingezogen, weil es die Freunde auch getan haben. In der Techno-Szene gibt es definitiv mehr Mitläufer als wahre Fans.
Diese ‚Unechten‘ wenden sich irgendwann von diesem Sound ab.“

„Wobei gerade unter den jungen Leuten die Zahl der ‚Schäfchen‘ immer größer wird.“

Hört, was ihr wollt, aber nervt mich nicht damit

Die Sache ist nur: Versucht man mal, mit einem dieser Youngsters über Musik zu quasseln, stößt man entweder auf taube Ohren, vorgefasste Meinungen oder Kommentare wie ‚ früher hatte ich auch lange Haare und habe Metal gehört, aber jetzt bin ich aus dem Alter raus‘. Ohne Scheiße zu labern: Diesen Spruch bekam ich mal von einem 16-jährigen zu hören.

Was der mit ‚früher‘ meinte, ist mir bis heute noch ein Rätsel. Es soll ja Leute geben, die an Wiedergeburt glauben, aber soweit ich weiß, konnte sich bisher kaum jemand an seine früheren Leben erinnern….. „Von mir aus soll jeder hören, was er will, solange er damit anderen, respektive mir nicht auf die Nerven geht.

Ich habe festgestellt, dass Metaller an sich wesentlich toleranter sind als Trendreiter. Bei denen hat es wenig Sinn, einen Versuch, sie mit Argumenten zu überzeugen, zu starten. Die sind einfach stur (vielleicht weil sie aufgrund fehlender Einstellung keine Gegenargumente haben? ). Aber vielleicht fangen manche ja an zu denken, wenn sie älter werden.“

photocredit: By Lilly M (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

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