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Veröffentlicht am 07.06.2015 von Nemesis

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Eisbrecher Part 3

Part 3

Alexx Wesselsky gesteht an dieser Stelle, daß er schon im Sommer des Jahres 2002 recht mächtigen Frust mit sich herum trug. Das Label BMG feuerte die Band und… „der – nenne wir es mal – Apparat, der für die Band zuständig war und in ihrem Sinne arbeiten sollte, kam immer nur mit einem ‚ja, schau ma mal’ an. Irgendwann ist das Maß voll, da reicht es einem mit so einem Getue. Nichts Halbes und nichts Ganzes, so bringt man nichts vorwärts.

Und dazu kommt noch, daß mit solch vagen Aussagen einem auch die irgendwie die Hände gebunden werden.

„Mir ist es lieber, drei Platten in einem Jahr herauszubringen als umgekehrt. Später erst wurde mir bewußt, daß ich damals schon, zu diesem Zeitpunkt, mit Megaherz durch war, wie man so schön sagt.“

Hinterher ist man immer schlauer – oder öfter mal. Nicht nur auf dieses Beispiel bezogen ein sehr treffendes Sprichwort.

Eisbrecher existierte zu diesem Zeitpunkt bereits, allerdings als Nebenprojekt. Wir hatten es einfach schon mal angefangen, auf die Beine zu stellen. Das war aber nicht der Grund, weshalb ich Megaherz verlassen habe – es führte aber durchaus zu einem schnelleren Wegggang, der Frust über die anderen Ereignisse und Entwicklungen war entsprechend groß. Andererseits hatte ich so auch mehr Zeit und Muße für Eisbrecher, was sicher auch zu einem schnelleren Fortschreiten dieses Babies führte. Die letzte Zeit mit Megaherz war schon nicht mehr so toll, ich war die letzten 15 Jahre zuvor nie so selten auf der Bühne präsent.

Das sind alles zwar Kleinigkeiten, mag man sagen, aber es summiert sich. Für mich allein war diese Tatsache schon heftig und ging mir an die Nieren. Man denkt natürlich auch darüber nach, was dann erst die Zukunft bringen kann und wird. Klar hatte ich einige schwache Momente, in denen ich mir überlegt habe, zu Megaherz zurückzugehen, doch Eisbrecher hat mich davor sehr effektiv geschützt.“ Aufgewärmt schmeckt eben doch nur Gulasch, sagt man so schön. Und nicht mal das ist wirklich sicher. Die neu gewonnen Fans wird dies sicher in den letzten Jahren immer wieder in einen kleinen Freudentaumel versetzt haben und mittlerweile haben Eisbrecher Megaherz doch – seien wir mal ganz ehrlich- längst abgehängt.

Alexx und Noel gingen gar einen Schritt für Eisbrecher back tot he roots und wandten sich an jene Stelle, mit denen auch Megaherz seinen Anfang fand: An ZYX Music. „Dieses Label gab Megaherz damals als einziges eine wirkliche Chance und dort war man auch stets sehr bemüht und wirklich bei der Sache. Wir waren mehr als zufrieden, ehrlich. Man ging einfach toll mit uns um. Wir können uns wahrlich nicht darüber beschweren, was wir bis dato für die kurze Zeit erreicht haben. Das Debut findet rgoßen Anklang und wird gut aufgenommen, von den Medien, den Fans etc. Trotz der stilistisch eher großen Bandbreite. Und war es auch wichtig, selbst viel Hand an zulegen und nicht für jeden Furz jemand anderen an die Arbeit zu setzen. Wir haben uns selbst um das Artwork gekümmert, das Merchandise – wir haben zu unserem Neustart auch die Freiheiten, die uns ZYX geboten haben, genutzt, und das waren um einige mehr als bei BMG etwa. Was will ich mit einer Stylistin? Mal ehrlich. Ich weiß selbst, was ich anziehen kann und will und was nicht. Ich brauch nicht für jede Kleinigkeit einen – sorry – Pnner, der mir sagt, was ich zu tun oder zu lassen habe oder uns reinquasselt.

Was die Fans hier bekommen ist zu hundert Prozent unser Ding. Und so wie dieses Baby, also Eisbrecher, uns zu hundertprozent repräsentiert, stehen wir auch hinter dieser Band und der Idee.

Ich kann mich mit allen identifizieren, was ich von Megaherz in den letzten Jahren nicht behaupten kann. Allein das Artwork der *Herzwerk II* fand ich ein Drama und absoluten Müll. Da ist es mir egal, ob die drei Striche mein Gesicht darstellen sollen oder einen Esel aufm Dreirad. Es gefiel mir einfach nicht. Zudem war es nur eine echt magere Notlösung, mit der das Album damals aufgefahren ist. Notlösungen sind so ein Ding, das ich gar nicht, also echt absolut nicht leiden kann. Und wie kam diese Notlösung zustande? Es haben zuviele Leute mit gequatscht.“

Eisbrecher Alexx

Logischerweise heißt mehr Freiheit auch mehr Eigenverantwortung, man kann auf niemanden mehr die Schuld abschieben oder sich vor einer Entscheidung drücken, die einem unangenehm ist. Wenn man keine Lösung für Problem X oder Y hat, muß man dann eben auch suchen und bei der Sache bleiben. Das betrifft in diesem Fall auch das Vorgehen der Band, was Promotion, PR betrifft. Hier hat man sich eigene Ziele gesetzt.

„Es hängt allein an uns, ob wir Erfolg haben oder Mist bei rum kommt. Wir wollen neben Eisbrecher auch ein gewisses Netzwerk zusammenstellen, zusammen bringen“. Aus Clubs, Medien usw…

Nicht für Eisbrecher. Natürlich profitieren auch andere Band s und Künstler davon, wenn sich die einzelnen Szenen mal mehr zusammenschließen und auch Hand in Hand arbeiten anstatt tausend Subkulturen zu frönen. Es stellt sich für einen Musiker immer die Frage, wie man seine Kunst, seine Musik unter das Volk bekommt, publik macht, möglichst viele Leute erreicht. Dabei muß man auch mal endlich mit der Zeit gehen und nicht immer nur eingefahrene Wege beschreiten. Das sieht man ja auch in anderen Industriezweigen, Neuerungen sind von Nöten, will man nicht auf der Stelle treten.“

Wichtig sind dabei natürlich auch Clubs und DJs, die sich mal etwas trauen, etwas Unbekanntes unter die Massen bringen, vom althergebrachten Modus operandi abweichen. Clubs werden nach wie vor schlicht unterschätzt, doch rbingen sie kontinuierlich neues Futter an Musik an den Mann/ die Frau, sind auf dem Laufenden, vergessen dabei aber auch Wurzeln nicht und können kreativ agieren. Zudem hat der Fan hier wesentlich mehr Möglichkeiten und vor allem öfter, sich zu informieren und seinem Geschmack zu frönen als bei etwa fünf Konzerten im Jahr.

Man muß sich eben auch einmal was trauen und über seinen eigenen Schatten springen, will man die Szene auch fördern.

„Die nationale Szene bleibt komplett auf der Strecke, weil keine Möglichkeiten vorhanden sind, bekannt, gespielt zu werden oder aufzutreten – die Clubbesitzer wollen am liebsten immer auf Nummer Sicher gehen und Bands buchen, die schon seit dreißig Jahren im Business sind. So kann das auf Dauer nichts werden.“


Der Szene kann eben kein frischer Wind eingehaucht werden, tritt man immer auf der Stelle, junge Band benötigen Möglichkeiten, Chancen, um nach oben zu kommen. Die Zeiten, in denen ein gutes Review in einem Magazin für einen Mega-Run sorgte, sind vorbei, zu viele neue Veröffentlichungen stehen monatlich, wöchentlich an, manches geht leider unter und bleibt auf der Strecke. Steter Tropfen höhlt den Stein, kann man da nur als Konsequenz sagen. Doch ziehen auch die Clubs zum Beispiel nicht mit, kann eine noch unbekannte Formation gleich wieder aufhören, sie bekommt ja kaum eine Chance, Publikum zu erreichen und sich einen Bekanntheitsgrad zu erspielen. Ein wenig Überdenken und mehr Miteinander – wär doch was für die Szene.

photocredit: By Matthias Irrgang (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Photocredit: By Atamari (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

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