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Veröffentlicht am 06.06.2015 von Nemesis

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Eisbrecher Part 2

Part 2

Gerade, wenn man die Chance hat, gut einzusteigen und etwas Staub aufzuwirbeln, sollte man sich erst recht reinknien und entsprechend hart arbeiten. Es war echt nervtötend, wie lang wir uns sagen lassen mußten, wir würden Rammstein nachäffen. Zehn Jahre sollten ins Land ziehen, bis wir uns durchgebissen hatten und in großen Hallen auftreten konnten, es auch bis nach Wacken geschafft hatten.“ Naja, heute dürften Alexx und Co dieses Flair und Bühnen jener Größe nicht mehr derart unbekannt sein…

Doch gerade an dem Punkt, an dem ich dachte, ´wir haben es geschafft´, es sich gelohnt zu haben schien, ging es mit Megaherz menschlich den Bach runter und die Band zerbrach.

Es ging nicht anders, als einen anderen Weg einzuschlagen, wir haben uns einfach nicht mehr unter einen Hut gebracht. Ergo mußte einer die Band verlassen. Ich fiel fast aus allen Wolken, daß ich es war, den es erwischte, gerade weil ich ja auch ein Gründungsmitglied war.“ Na, mittlerweile dürfte das Schmerz von gestern sein, auch wenn die erste große Band sicher etwas ist, das man immer im Kopf bei sich hat.

„Es war mir aber wichtig, enorm wichtig, keinen Schritt nach hinten zu gehen, wieder an Boden zu verlieren. Wir reagierten schnell und so wurden auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht, die Trennung wurde zeitnah aktuell gemacht, die News auf die Homepage gesetzt.“

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem endlich auch die letzten Kritiker und letzten Skeptiker verstummt waren, die Massen überzeugt hatte und die Karriere der Band einen enormen Schritt nach oben ging. Also gerade, wenn man eine Trennung innerhalb der Band oder einen derartigen Umbruch am wenigsten gebrauchen kann.

„Trotz allem war es die richtige Entscheidung“, fügt Alexx an. Naja, nun ca. zehn Jahre später weiß er es wohl mit Gewißheit – und die Fangemeinde bzw die gesammte Szene auch. „ Es gibt aber auch Momente, in denen ich etwas perplex bin. Auch wenn man bereist einen Namen hatte, einen gewissen Bekanntheitsgrab, ist es doch etwas anderes, wenn man mit einem neuen Projekt startet. Man fängt nicht automatisch dort an, wo man mit der früheren Sache aufgehört hat.

Es ist dennoch wie ein Neuanfang, als würde man nochmal lernen müssen, zu laufen. Man hat natürlich ein Mehr an Erfahrung, bereits eine gewisse Fanbasis, dennoch muß man sich erst einmal bewähren. Das wurde mir vor allem bei Konzerten bewußt. Selbstredend standen nicht alle früheren Megaherz-Fans als Gäste parat. Und auch, wenn man einen Anfang mit Trommelwirbel hinlegt, wäre es falsch, sich auf alten Lorbeeren auszuruhen. Nur als kleines Beispiel am Rande: Als ich nun wegen eines Gigs für Eisbrecher angefragt habe, hieß es, man wolle erstmal sehen, was wir wirklich drauf haben. Mühselig und ermüdend, doch man muß sich nochmals beweisen. Nun, Tarja von Nightwish dürfte es eventuell beim Start ihrer Solo-Karriere ähnlich gegangen sein. Ist aber auch schon wieder Schnee von gestern.

„Wir mußten wieder ganz klein anfangen, allerdings will und kann ich nicht nochmal zehn Jahre Zeit investieren und den gleichen Weg nochmal gehen, um dorthin zu gelangen, wo ich eigentlich schon bin. Dafür mangelt es mit an Zeit und Kraft. Brachial durch, so ist der Plan und so muß es auch funktionieren. Man mag gar nicht glauben, was ein neuer Bandname oder eine neue Formation alles bewirken kann, nach außen hin betrachtet. Als wäre man frisch auf diesem Planeten gelandet und habe in den Augen anderer eventuell alles verlernt, was man vorher konnte und würde nur noch Schrott produzieren, wenn es dumm läuft.“ Na, das schreit doch förmlich nach Kopfschütteln angesichts solchen Denkens. Aber so ist das eben, schließlich will man ja auch Negatives der früheren Zeit abstreifen, warum sollte man dann Positives geschenkt bekommen…

„Man unterliegt dem Irrglauben, schon so ziemlich alles zu wissen, mit allen Wassern gewaschen zu sein, alle (wichtigen) Leute aus den Szenen zu kennen und es sei im Handumdrehen passiert, wieder ´oben´ zu stehen. Klar hat man viele Kontakte, die einem den einen oder anderen Schritt erleichtern, irgendetwas bleibt von der Vorarbeite, die man bereits geleistet hat, doch hängen. Trotzdem will ich im Falle von Eisbrecher nicht ewig ´rum schrauben´ bis wir zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommen, auch wenn ich mir durchaus bewußt bin, daß wir von vorn anfangen. Und ehrlich, ich fühle mich echt nicht wie ein Newcomer, auch wenn man uns so bezeichnen kann – und das mit Fug und Recht. Klingt ein wenig paradox und fühlt sich seltsam an“, lacht Alexx.

Naja, nach zehn Jahren Musik-Karriere, die man bereist auf dem Buckel hat, und live als Vorderster an der Front würde ich mich da auch befremdlich fühlen.

Und seien wir mal ehrlich, die ganzen Leutchen wie Veranstalter, Manager, Schreiberlinge, Redaktionen etc nochmal überzeugen zu müssen, wenn die doch eigentlich wissen sollten, daß man grundsätzlich was kann, ist schon etwas lachhaft. Natürlich stellt sich die Frage, inwieweit der Stil an sich dem Geschmack entspricht, aber das technische Können ist nicht von der Hand zu weisen.Neues muß nicht automatisch gut sein, das hat nicht nur die Musikgeschichte schon ehr als einmal bewiesen, aber auch nicht zwangsläufig schlecht, daß man alles argwöhnisch beäugen muß. Viele ´Neustarts´einiger Künstler und Bands waren mehr als enttäuschend, doch gab es das auch schon im Laufe einer ´fixen´ Karriere, sei es, daß KISS einen Einbruch mit einem Album lieferten, Michael Kiske mit seinem Solo-Projekt nicht so ganz viele vom Hocker rieß oder auch, um mal umzuschwenken, erfolgreiche Filmemacher plötzlich mit einem Schrott sonders gleichen ankommen. Kann alles passieren. Vorschußlorbeeren wären also durchaus am Ziel vorbei.

Was man allerdings einwerfen muß, in solchen Fällen können sich Veranstalter, Clubbesitzer und dergleichen allein durch das Lauschen des frischen Sounds ein Bild machen und müssen theoretisch nicht erst abwarten, wie sich eine neue Platte verkauft.

Hat man ein solches Berufsfeld gewählt, sollte man die Wünsche und Bedürfnisse wie Trend-Strömungen seines Publikums kennen. Und mal ehrlich: Die Presse ist schon wichtig, aber ein Hörer und Besucher eines Konzertes wird dennoch seinen eigenen Kopf und Geschmack haben.

„Als Frontmann hat man fast alles: Ups and Downs am laufenden Band. Mal ist man der große Held, mal der totale Looser. Und eh immer schuld. Das hat was von der Rolle, die einem als Klassensprecher zukommt. Man kann es eigentlich nur falsch machen, weil man derart im Fokus steht. Das bringt das eben nun mal mit sich.In solchen Momenten denke ich mir immer ‚scheiß auf Demokratie’. Bei Eisbrecher steht alles erstmal auf den Füßen der Zweier-Konstellation von Noel und mir, da kann man sich leichter absprechen und diskutiert nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag, ob jedem auch wirklich alles paßt. Auf diese Art kommen wir immer zu einem einhelligen Ergebnis. Entweder der eine überzeugt den anderen oder eben nicht. Wirklich doff wird es, wenn die Member-Zahlen einer Band ungerade sind. Klingt total doof, aber Entscheidungen in Prozent rechnen“, man kann förmlich vor dem geisteigen Auge am Telefon sehen, wie Alexx die Augen verdreht. „Man mag es gar nicht glauben, wie groß eine Minderheit von 1,3333 Prozent sein kann.“

photocredit: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Eisbrecher_Amphi_2010_1.jpg#filehistory

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