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Veröffentlicht am 17.09.2015 von Nemesis

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Atrocity

Atrocity History – Die Spreu geht auf

Gegründet wurde die „etwas andere Metal-Band“ im Jahre 1985 – nach dem Demo „Instigators“ (1988) folgte die erste Single „Blue Blood“ (1989) auf Nuclear Blast Records, die wie das Demo heute noch zu einem gesuchten Sammlerstück gehört, veröffentlichten Atrocity 1990 das Debüt Hallucinations ebenfalls auf Nuclear Blast Records. Welche Bedeutung diesem Erstlingswerk zugemessen wurde lässt sich bereits an den folgenden Fakten ablesen: Ort – Morrisound-Studio, Produzent – Scott Burns.

Der Death und Grind-Underground bebte angesichts dieser einheimischen Death Metal Pioniere, die sich anschickte, der aufkommenden Death Metal-Welle mit ausgesprochen experimentellen Songstrukturen auf den Leib zu rücken. Die Kultgröße Carcass musste sich beispielsweise mit aller Kraft auf der gemeinsamen Tour der aufkommenden Atrocity-Begeisterung erwehren. Der durch seine „Alien“-Reihe weltweit bekannt gewordene Künstler H.R. Giger ließ es sich nicht nehmen, zu dem Album, das die verschiedenen Episoden eines drogenabhängigen Mädchens thematisierte, das Cover beizusteuern.

Nach ausgiebigen, äußerst erfolgreichen Touren und Festivalauftritten erschien Todessehnsucht (1992) auf Roadrunner Records. Atrocity versetzten die Kritiker in Erstaunen und integrierten erstmals konsequent klassische Elemente in ihre Musik und luden vier Opernsänger zu den Aufnahmen ein. Der bombastische Klang erweckte in der Presse gleich „wagnerianische Momente“ und manifestierte den Ruf Atrocity als „Band mit äußerst komplexen Songideen“.

Inbegriff des vielseitigen Rockacts

Atrocity wechselte zu Massacre Records und Blut lief ab 1994 aus den CD-Playern: Das vampireske Konzept durchzog das komplette Album und versetzte den Hörer in die bedrohlich dunkle Kulisse und gleichermaßen die interessante Atmosphäre Transylvaniens. Sänger Alex Krull reiste mit seinen Kollegen ins heutige Rumänien, um sich vor Ort inspirieren zu lassen. Das kreative Ergebnis sorgte für eine gewaltige Resonanz bei Presse und Publikum: Atrocity entschwanden endgültig allen Stilschubladen. Songs wie das atmosphärische „Blut“, das düstere „Leichenfeier“ und vor allem die Etnoballade „Calling The Rain“ rissen das Bild einer Band ein, die einzig dem Metalgenre zugerechnet worden war. Die Tourneen mit Obituary und Pitchshifter, sowie Crematory und Hate Squad zog dermaßen unterschiedliches Publikum in die Hallen, das Atrocity alsbald „als Inbegriff des vielseitigen Rockacts“ gefeiert wurden.

Erweiterungen

Die beiden 1995 veröffentlichten EPs „Calling The Rain“ und „Die Liebe“ waren die logische Konsequenz. „Calling The Rain“ stieß auf dermaßen positive Reaktionen, dass sich Atrocity entschlossen, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen. Mit Unterstützung der wunderschönen Stimme von Alex Krulls Schwester Yasmin stieß die Band in neue, sehr atmosphärische Ebenen vor und spielte mit Goethes Erben in einem komplett bestuhlten Konzertsaal. „Die Liebe“ stellt die erste bahnbrechende Kollaboration mit Das Ich-Kopf Bruno Kramm dar: Beide Act arrangierten Songs der anderen Band um, um sie dann gemeinsam neu zu interpretieren – Atrocity avancierten mit diesem Urknall nun auch zu Lieblingen der Elektro- und Dark Wave-Gemeinde. Die Fangemeinde war um einige bunte Tupfer reicher.

Zertrümmertes Hakenkreuz

Willenkraft spannte im Jahre 1996 den weiten Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band: Brachiale Riffs zerschmetterten an hymnischen Parts und atmosphärischen Elementen. Bruno Kramm produzierte im Verbund mit Alex Krull und verpasste dem Werk den passenden, vielschichtigen Sound. Auf dem Wacken Open Air 1996 zertrümmerten Atrocity vor zig Tausend Fans ein riesiges Hakenkreuz und unterstrichen einmal mehr ihren Ruf als Musiker, deren Blick weit über den Tellerrand des Metal hinaus gerichtet ist. Der Song „Love Is Dead“ avancierte zu Hit der Fangemeinde, eine äußerst umfangreiche und erfolgreiche Tour mit In Flames folgte. Die „The Hunt“-EP war an alle „Old School“-Fans gerichtet und wurde mit seinen brutalen Songs ein extrem hartes Dankeschön für die jahrelange Unterstützung.

Tanzflächenfeger

Im Jahr 1997 unterstrichen Atrocity ihren Willen, stetig musikalisches Neuland zu betreten: Werk 80 hatte die Grundintention, Pop-Klassiker der achtziger Jahre in klassische Atrocity-Nummern mutieren zu lassen – das Ergebnis ließ die Tanzfläche der Rock-Clubs explodieren. Die deutsche Metal-Welt staunte, wie selbstverständlich Synthies, Pop und ultraharte Riffs hier zueinander fanden. In Verbindung mit der provokanten Lack- und Lederkunst des Booklets avancierte Werk 80 zu einer grenzsprengenden Erfahrung, der dementsprechende Begeisterung bei den Tourneen und Festivals, sowie einen Auftritt im ausverkauften Gottlieb Daimler-Stadion (anlässlich eines Bundesligaspiels des VfB Stuttgarts) nach sich zog.

Kurz vor dem Millenium feierten Atrocity den Release ihres ersten Greatest Hits-Albums Non Plus Ultra (1989-1999) sowie den ersten Gig in den USA. Im Gegensatz zu lieblos auf den Markt geworfenen Best Of-Produkten setzten Atrocity auf umfangreiches Bonusmaterial: Non Plus Ultra enthielt sage und schreibe 26 Tracks sowie 7 Videoclips. Das Greatest Hits-Album sollte keinen Abschluss, sondern einen Aufbruch darstellen – dies gelang äußerst eindrucksvoll.

Facettenreicher denn je

Das letzte und erfolgreiche Chart Album Gemini (2000) erschien bei Major Motor/Universal und nahm die auf Werk 80 gesponnenen Fäden auf – das Material integrierte elektronische Elemente und setzt auf eine nachvollziehbare Grundstruktur, ohne die Atrocity-typische Originalität vermissen zu lassen. Nicht nur, dass die Band mit „Taste Of Sin“, „Tanz der Teufel“ und dem Titelsong drei neue Lieblingshymnen ihrer Fans präsentierte – durch ihre extrem originellen Coverversionen von „Sound Of Silence“ und „Lili Marleen“ untermauerten Alex Krull und Co. Ihre Stellung als unberechenbare Größe der deutschen Musikszene, deren Anhängerschaft aus allen Bereichen des Rock stammt. Atrocity haben nie nachgelassen, sich stetig gesteigert und ein Ende ist längst nicht in Sicht, wie auch die nachfolgenden Alben bewiesen.

EPs und Demos

1988: Instigators (Demo, nur als MC)
1989: Blue Blood (EP, nur als 7”-Vinyl)
1996: The Hunt (EP)
1996: The Definition of Kraft and Wille (EP)
1997: Tainted Love (EP)
2000: Sounds of Silence (EP)
2000: Taste of Sin (EP)
2004: Cold Black Days (EP)
2008: Smalltown Boy (EP)

Studioalben

1990: Hallucinations
1992: Todessehnsucht
1994: Blut
1995: Calling the Rain
1995: Die Liebe (Kollaboration mit Das Ich)
1996: Willenskraft
1997: Werk 80
2000: Gemini
2004: Atlantis
2008: Werk 80 II
2010: After the Storm
2013: Okkult

photocredit: Plamen Agov • studiolemontree.com [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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