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Veröffentlicht am 24.09.2015 von Nemesis

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Aeternitas History

Düsterer, intelligenter Sound

Die unausweichliche Konstante menschlichen Lebens – und jeden Lebens überhaupt – ist der Tod. Im Mittelalter war die Gegenwart des Todes so präsent, dass man sich dem grausamen Gevatter in Wort, Bild und Lied auf vielerlei Weise annahm. In seinen mannigfaltigen Gestalten – als Pest, Feuer, Kälte, Hunger, Krieg, Alter und anderen Leiden – begegnete er dem ärmlichen Bauern ebenso, wie dem Ritter, dem Kaufmann, dem Kaiser und dem Papst. Als großer Gleichmacher führte er den edel gewandeten Fürsten in die gleiche Dunkelheit hinab, wie den abgemagerten Krüppel in der Gosse – am Ende lagen sie alle gleichsam nackt und kalt unter der Erde.

Aus dieser Auseinandersetzung mit dem Schnitter erwuchsen im Hochmittelalter die Totentänze, die später von Frankreich aus als „Danse Macabre“ eine weite Verbreitung fanden. Der Sensenmann erscheint in diesen kurzen Versen verschiedenen Vertretern der Stände mittelalterlicher Gesellschaft und bittet sie an seine Seite, zu einem letzten Tanze. Egal mit welchem Flehen die Todgeweihten ihren Exitus gegenübertreten, enden all diese Gedichte mit dem unabwendbaren Ende der menschlichen Existenz.

Das zweite Album der Gothics

Während sich schon viele Musiker an diesem Thema versucht haben, so wurde die inhaltliche Tragweite bisher nur unzureichend umgesetzt. Aeternitas meistern mit ihrem Zweitling „La Danse Macabre“ diese vielschichtige Materie. Sie schaffen es einerseits, ihr historisches Gedankengut und den Ton der Zeit beizubehalten, andererseits die Vergangenheit auf moderne Art in ein tongewordenes Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Mit einem atemberaubenden Geflecht unterschiedlicher Stilelemente erwachen die Dialoge zwischen personifiziertem Tod und seinen Opfern zu einem mitreißenden Dasein. Man spürt den skelettierten Geiger förmlich hinter dem eigenen Rücken auferstehen, hört seinen Hauch der unheilvollen Botschaft leise über die Schulter dringen und im nächsten Moment seine kalte hand, die zu einem letzten jagenden Tanz auffordert.

Neue Einflüsse für die Szene

Mit ihrem Debüt „Requiem“ setzte der deutsche Gothic-Metal-Act bereits deutliche Zeichen. Eine nonkonformistische Verbindung aus verspielter Klassik und brachialem Metal zu suchen und mit dem neuesten Opus haben Aeternitas dieses Ziel auch erreicht. Einstweilen sind die aggressiveren Death und Black Metal-Anleihen des Erstlings allerdings einer breiteren musikalischen Fülle gesichen, die aber nach wie vor aus einer filigranen Verschmelzung klassischer Partituren und gotischem Düstermetall besteht. Das arienhafte Wehklagen der lieblichen Sopranistin Doria Theis erhebt sich aus wütend grollenden Grunts, kraftvolle Chöre besingen die Eitelkeit menschlicher Existenz, und über alledem thront die klare Stimme von Alexander Hunzinger, die, einem Prediger gleich, die Kunde vom Ende verbreitet.

Vermehrt setzen die Kompositionen auf theatralisch-opulente Arrangements, die sich leitmotivisch an einem immer wiederkehrenden Thema orientieren. Durch die verstärkte Einbindung synthetischer Klangwerkzeuge schwingt in einzelnen Stücken ein treibend-elektronischer Unterton mit, der die tragende Grundstimmung nicht auflöst, sondern lediglich um eine weitere Facette bereichert. Zwischen tänzelnder Operette, romantischem Musical, bombastischem Metal und zärtlicher Klassik entfaltet sich ein erlebbares Hörbuch voller phonaler Lyrik, gefühlvollem Pathos und sehnsüchtiger Melancholie. Das Phänomen der Totentänze wird aus der Vergangenheit in das Hier-Und-Jetzt transportiert und zu einem erfahr- und begreifbaren Geschehnis.

Liebe zum Detail, auch auf der Bühne

Nachdem „Requiem“ im Jahre 2000 die Welt mit einem ganz eigenen Cantus beschallte, wurde nach der durchweg positiven Resonanz der schreibenden Zunft auch bald ein passendes, stimmungsvolles Live-Programm erdacht, das sich weitab üblicher Gigs bewegen sollte. Durch liebevolle Bühnenbilder, Requisiten und Kostüme, zusammen mit schauspielartigen Darbietungen, setzte man diese Oeuvre nicht nur klanglich, sondern auch visuell um, wie man auf zahlreichen Konzerten und Festivals, wie dem Wave Gothik Treffen, am eigenen Leib erfahren konnte. Dieser atmosphärischen Bühnenshow und der faszinierenden und anschaulichen Erzählweise folgend, kann die Musik von Aeternitas als Gothik-Theatre-Metal beschrieben werden, denn jeder Song entspricht einer einzelnen Szene, einem Kapitel aus einem größeren Ganzen.

Gothic-Musical

Das nächste Werk sollte das Gothic Musical „Rappacinis Tochter“ werden, eine Vertonung die auf einer Kurzgeschichte von Nathaniel Hawthorne und Freundes von Edgar Allen Poe beruht. Monatelang bereitete man dieses Vorhaben vor, bis sich die Band schließlich an Texte und Dialoge machte. Dies geschah in Zusammenarbeit mit Sandra M. als Regisseurin und Arrangeur Tillmann kracke – bis zur Premiere sollte nochmals einige Zeit verstreichen, das Musical wurde so im Januar 2008 erfolgreich im Hamburg gezeigt. Über 50mal wurde das Werk in den Jahren bis 2011 live gezeigt, dabei auch unter anderem mehrmals auf dem Wave Gothic Treffen. Keine Frage, was Aeternitas hier der Szene gegeben haben und spielerisch und intensiv eine Brücke zwischen den Szenen und Kunstformen der Musik schufen.

Rock und Pop Preis

Das dazugehörige Album wurde des Weiteren mit dem deutschen Rock und Pop Preis 2008 als bestes Musicalalbum bedacht. Seitdem werkeln die Künstler an dem Nachfolgewerk, „House Of Usher“, das sich natürlich auf die besagte Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe bezieht.

Discographie der Band

Requiem
La Danse Macabre
Rappacinis Tochter


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